Chronologie des Wahnsinns

05.06 Alfsee Countdown

Knapp eine Woche vor Rennbeginn befindet sich das ganze Team in einer Art Konzentrationsstarre. Es gilt den Spannungsbogen und die Form auf den Punkt zu focussieren. Wie üblich geht da jeder Athlet des Teams seine eigenen Wege. Eine "Stallorder" für die letzte Woche gibt und gab es nie. Umso interessanter welche Spielarten sich herausgebildet haben. Von konsequenter Trainingsverweigerung bis Übertraining ist mal wieder alles dabei. Neu sind die Versuche durch Kitesurfen, Tennis oder gar Rudern die Form zu verbessern. Allgemeines rumjammern über den zunehmend verfallenden Körper gehört natürlich auch dazu. Mal sehen wohin das dieses Jahr führt. Fest steht, am Freitag gehts los. Wann und wo müssen wir noch besprechen aber das Ziel ist klar!!!

Alfsee wir kommen.

09.06 Alfsee Parzelle 08

Als ich gegen 16.15 Uhr bei Ralle vorrollte waren die meisten Sachen schon verpackt. Also noch Räder einladen und dann ab nach Alfhausen. Aber das war leichter gesagt als getan und so steckte unsere kleine Fahrgemeinschaft zunächst im Berufsverkehr fest bis wir endlich die Autobahn erreichten, welche uns gen Norden brachte. Bei Münster Nord erreichte uns die App unserer Soester Splittergruppe welche 20KM vor uns war. Sie würden also kurz vor uns am Ziel sein. Und zack, da war er wieder, der geliebte und gehasste Alfsee. Nach einem Racejahr Pause freute ich mich schon ein wenig. Leider basierte diese Vorfreude auf dem wohl leicht verklärten Blick auf die letzten Jahre. Das Rennen ist echte Schinderei. Dieses viel mir aber erst wieder in der 1. Runde ein.

Sehr gut gelaunt und nach ausgiebiger Begrüßung bezogen wir unsere Parzelle und die Benachbarte direkt mit. Wohnwagen, Zelte, Pavillion alles war schnell und Routiniert aufgebaut. So konnte sich die Renngemeinschaft  alsbald den extra  kaltgestellten Sportgetränken widmen.Nätürlich ging es vorher aber noch zur obligatorischen Nudelparty; welche ausgesprochen lecker waren.

Nun galt es die offizielle Teamhose "Asspain 99"  an das Team zu verteilen. Wie sich sehr schnell herausstellen sollte war das mit der Hose und dem Teamlogo ne suuuper Idee. Leider zeigten Passform und Qualität der Hose deutliche Mängel und der Aufdruck unseres Logos war auch überschattet von einem Druckfehler. Ganz abgesehen davon, das der Druck sich bei einigen Hosen bereits zu lösen begann.

Um dies zu kompensieren und natürlich auch um noch warmen Getränken einem Platz im Kühlschrank zu ermöglichen stieg die Stimmung ungebrochen, bis sie um ca. 00:00 Uhr jäh von Müdigkeit unterbrochen wurde. Ab ins Bett!!! Für Inge bedeutete dies ab ins Separet. Daniel und Thorsten machten es sich im Riesenzelt  gemütlich und Schweiger in seinem Wurfzelt. Ralle und ich hatten unsere Base in Ralles Wohnwagen, welcher uns schon seit Jahren zu den verschiedenen Events begleitet.

10.06 Alfsee The Race Runde 1-5

Als routinierte Alfsee Starter konnte uns natürlich nichts aus der Ruhe bringen. Nachdem wir erwacht waren gab es erstmal ein leckeres Improvisationsfrühstück. Irgendwie war alles da, obwohl wir nicht wirklich etwas abgesprochen hatten. Hier geht der besondere Dank an Ralle und Daniel die immer besonders gut sortiert sind. So trudelten wir locker durch den Vormittag. Da Ralle mit einem neuen Bike am Start war und Christian leider nicht vor Ort gab es fast nichts zu reparieren. Die ein oder andere Kleinigkeit wurde zwar noch erledigt aber das fiel eher unter die Rubrik "Kleinkram".  Zu erwähnen wären hierbei die Umstellung von Straßen auf Crossreifen an Schweigers Crosser. Rainers und Ralles "Sattelgeräusche" und die SAG Einstellung an Ingos Bike welche allerdings nur virtuell vollzogen wurde. Diverse Zeitschriften wurden geblättert, Fachgespräche geführt. und Startnummern montiert.

Nun ging es um die Startreihenfolge. In Basisdemokratisch gelenkt offener Zuordnung war dies das Ergebnis:

Thorsten sollte eröffnen gefolgt von mir. Auf Position 3 folgten Ralle dann Daniel. Schweiger ging als 5. ins Rennen und den Abschluß eines Durchlaufs machte Taucher.  Ingo konnte unser taktisches Geplänkel mit einem lächeln  verfolgen. Als Einzelstarter hatte er damit wenig zu tun.

So widmete er sich ausgiebigst den Teilnahmebedingungen und einem Artikel über korrektes Fahrwerkssetup. Während wir versuchten den Artikel zu verstehen schlich die Zeit langsam und unauffällig in Richtung START. Einige machten sich auf den Weg zu einer Testrunde. Leider nahmen wir die Fahrerbesprechung nicht 100% ernst, was sich später noch als Nachteil erweisen sollte. Gemeinsam gings zum Start, und schließlich rasteThorsten um 14:05 Uhr in die erste Teamrunde.

Runde 1     31,32min

Nun war ich plötzlich vom Rennfieber gepackt.  Ich hechtete zur Parzelle zurück und machte mich startklar. Pulsgurt, Hose, Trikot...Gefühlte 1000 Kleinigkeiten galt es plötzlich und unerwartet zu erledigen. Noch schnell aufs Klo und dann ab in die Wechselzone.

Thorsten schoss vorbei die Rampe hoch. Er war schnell unterwegs und ich dachte nur."geh es ruhig an, nicht so wie vor 2 Jahren" Dann die Übegabe und ich lief los. Geschmeidig sprang ich über den Balken und dann aufs Rad. Immer noch von dem festen Vorsatz beseelt es nicht zu übertreiben trat ich in die Pedalen. Es ging durch die ersten Single-Trail-Passagen und durch einen Teil den ich noch nicht kannte. Nach einer erneuten senkrechten Deichauffahrt kam der Alfsee und der bekannte Streckenteil in Sicht. Nun wollte ich Gas geben und nahm zum ersten Mal die Pulzfrequenz ins Auge. Erschreckt registrierte ich die 176 und dies sollte sich bis zum Ende der 1.Runde kaum ändern. Nach der "Treppenabfahrt" erahnte ich eine neue Chance mich zu regenerieren allerdings hatte ich nicht mehr den Gegenwind auf dem Schirm. Dann gings hoch zur Lieblings-Hass-Wiesenpassage. Nach 10 Metern war ich schon völlig angenerft und fragte mich wie das wohl die Hardtailfahrer verkraften. Nachdem Wendepunkt kam der Rückenwind und es wurde leichter. Puls 168 und ich erreichte die letzte Trailpassage und bald danach enterte ich den Zielbereich. Auf dem Sprint zur Rampe konnte ich Ralle im Wechselbereich orten. Nur noch ums Haus rum und dann stand ich vor der Wechselzone. Nach der Übergabe war ich extrem außer Atem. Nach einer kurzen Erfrischung ging zurück zur Parzelle.

Runde 2+3   32,39min+32,52min

Nach der ersten Runde war bei allen die romantisch verklärte Erinnerungslücke zum Vorjahr geschlossen. Teilweise extrem angezählt kamen aller aus ihrer 1.Runde zurück. Thorsten schlug vor  ne Doppelrunde zu fahren um besser in den Flow zu kommen. Außerdem wollte ich diesmal unbedingt einfahren. Also machte ich mich ca. 20 min vor dem Wechsel auf den Weg und kam prompt zu spät. Wild winkend wurde ich erwartet und ging also mit Verspätung auf die Runde.

Als ich übernahm fühlte ich mich gut und mit verbesserter Streckenkenntnis solle es nun besser laufen. im 1.Drittel musste ich häufig überholen dann lief es aber ganz gut und ich legte auf der Gegengeraden einen Zahn zu. Ohne weitere Verzögerungen rollte ich weiter bis in den Start-/Zielbereich. Ab in die 2. Runde. Es schien so als würde die 2-Runden Strategie aufgehen. Im ersten steilen Anstieg zuckte meine Wade und im weiteren entwickelte sich ein Krampf. In der Hass-Wiesenpassage nervte das gewaltig. Weiter gings, unterhalb der Krampfgrenze, ohne weitere Zwischenfälle, bis zum Zielbereich.

Runde 4+5 Nachtrunden 33,08min+33,38min

Die anderen folgten weiter der Ein-Rundenstrategie. Wie üblich bekam ich Magenprobleme und musste mich  zwingen zu trinken. Die Runden 2+3 waren mit einem Herzfrequenzschnitt von 157 immer noch zu hoch. Dementsprechend war ich angezählt und legte mich etwas ab. Thorsten eröffnete die Nachtrunden. Alle begannen ihre Räder für die Nacht mit Licht zu versehen und vorzubereiten. Der Vollmond tauchte über den Bäumen auf als ich zum Wechselbereich ging. Nach der Übergabe fühlte ich mich sofort gut und kam in einen guten Tritt. Erstaunlicherweise fühlte ich mich besser und es lief prächtig. Plötzlich bemerkte ich das ich Spaß hatte und es wurde noch besser. Der Gegenwind war weg und auf den Deichpassagen hatte man einen super Blick auf den Alfsee auf dem sich der Mond spiegelte. Kurz überlegte ich anzuhalten und ein Foto zu machen. Dieser Plan wurde aber nicht in die Tat umgesetzt denn ich beschloss weiter Gas zu geben. Wupp war die erste Runde vorbei und ich erreichte den Hell erleuchteten Start/Zielbereich,durchfuhr ihn und tauchte erneut in die Nacht. Auf der 2.Runde kamen die Krämpfe zurück und ich musste etwas Gas rausnehmen. Alles in allem lief es aber super. Allein strampelte ich durch die Nacht. Ab und zu ein Licht. Nach 2/3 der 2. Runde merkte ich das mir die Körner ausgingen, aber das Ziel war in Sicht, und wenig später auch erreicht. Wow

Pulsschnitt 147 ging auch Ok. Nach ausgiebiger Erfrischung gings zurück zur Base.

11.06 Alfsee The Race Runde 6-8

Runde 6    31,38min

An der Base angekommen traf ich auf Thorsten welcher auf seiner Nachtrunde einen bisher nie gesehenen Defekt vorweisen konnte. Er hatte est tatsächlich geschafft Ritzel aus einer Kasette herauszureißen. Allerdings hatte er den Schaden schon repariert, denn in weiser Voraussicht /Glück hatte er eine Ersatzkassette dabei. Ich entschloß mich zu duschen . Was für eine Wohltat!!! danach gings ab zum Matratzenhorchdienst. Gegen 1:00 Uhr döste ich langsam weg umgegen 4.30 Uhr erfrischt zu erwachen. Um 5:45 begab ich mich zur Wechselzone und hatte nach den Nachtrunden voll Bock auf ne Einzelrunde.

Paff gings los und es lief gut. Sofort wurde mir unglaublich warm  und bei erster Gelegenheit zog ich mein Langarmtrikot aus.

Weiter gings, allerdings wurde ich durch unglaublich viele extrem langsame Einzelfahrer auf den Trailpassagen ausgebremst. Vor allem an den technischen Passagen kostetet das einige Sekunden. Aber es lief und es machte Spaß. Auf dem Weg zur Surfstation stürzte ein Fahrer vor mir. nach kurzem Support fuhr ich weiter.  Voll motiviert schoss ich die Rampe hoch und schickte Ralle auf seine Runde.

Runde 7    33,55min

An der Base erwachte das Leben oder auch nicht. Mehr oder weniger motiviert schälten sich die einzelnen Athleten aus ihren Schlafstätten. Von Alles OK bis ich fahr nicht mehr war alles dabei. Auch ich bemerkte eine allgemeine Unentspanntheit  meines Körpers, ignorierte diese aber erstmal. Die Sonne stieg unermüdlich und es wurde heiß.  Als ich gegen 9:15 auf die Runde ging merkte ich sofort meine Beine. Jeder Tritt fühlte sich zäh und quälend an.

In der ersten Trailpassage maulte sich ein Fahrer vor mir. Da ich nicht schnell genug reagierte überfuhr ich zunächst noch sein Hinterrad bevor ich mich ebenfalls in den Staub legte. Nachdem wir uns beide berappelt hatten gings weiter. Alles Kopfsache oder ?! Der Schweiß floss in Strömen als ich mich auf der Gegengeraden gegen den Wind wehrte. Laut fluchend durchpflügte ich die verhasste  Wiesenpassage. Kurz vor dem Umfallen erklomm ich die Deiche und schneckte weiter gen Ziel. Völlig ausgepumpt kam ich im Ziel an. Oha das war nix, etwas entnervt rollte ich ausgelaugt zur Base zurück. Kein Puls über 140 ich hatte Überdreht. Auch die anderen litten unter der Hitze bzw. unter Erschöpfung. Trotzdem gaben alle 100%. Nach einiger Zeit die ich komatös in eimem Stuhl sitzen verbracht hatte klingelte plötzlich mein Telefon. Schweiger!!!??? Mist Defekt!!! (Doppel Snake- Bite)

Sofort machte sich Thorsten startklar und begab sich mit Ralle und Taucher zum Startbereich um abzuklären wie es nun weitergehen könnte.

Runde 8    33,50min

Jetzt rächte sich das Schwänzen der Teambesprechung. Thorsten war gerade aus der Wechselzone gen Schweiger entschwunden als Taucher die Info erhielt er hätte über den Start/Ziel Transponder fahren müssen. Also wurde er zurückgeordert und ich machte mich startklar. Letztlich wurden der Defekt inclusive Strafzeit zu einer 41 er Runde zusammengefasst. In diesem Moment war der 6. Platz futsch.

Ich hastete zum Start  und stieg über den Transponder in die Runde ein. Ohne große Erwartungen trat ich in die Pedale. In der ersten Trailpassage kehrten dann die Lebensgeister in mich zurück. Hitze und Wind hatten aber erneut zugelegt. Mit dem Wissen das dies wohl meine letzte Runde würde trat ich abermals voll rein. Leider kam nicht mehr viel. Trotzdem wurde ich nicht überholt, denn allen anderen Fahrern ging es natürlich genauso. Ich gab noch einigen Windschatten bzw. versuchte die teilweise schleichenden Einzelfahrer zu motiviern. Zum letzten Mal quälte ich mich durch die Wiesenpassage um dann den letzten Teil der Strecke anzugehen. Hier konnte ich nochmals etwas beschleunigen, aber  bei den Deichauffahrten bettelten die Beine um Gnade. Immerhin musste ich nicht absteigen. Paff die Rampe hoch und geschafft.

 

Geschafft

Hätte, Hätte, Käsekrokette... Ralle nörgelte ein wenig über den verlorenen Platz. Aber was solls!!! Alle waren sich einig das dies das letzte Alfseejahr war und wir mal eine andere Herausforderung brauchen.

Während um uns herum die Hecktik ausbrach relaxten wir erstmal etwas bevor wir schließlich auch in die Auf-und Abräumroutine verfielen welche wir Souverän meisterten. Nun galt es noch das obligatorische Abschlussfoto zu machen bevor wir auseinandergingen.

Danke an das Team es war mal wieder etwas ganz besonderes. Außer euch kenne ich nur noch einen der so etwas beklopptes mitmachen würde (Grüße an Fix)

Freue mich schon auf nächstes Jahr egal was wir machen (Ingo !, keine Laufveranstaltung)

 

 

ASSPAIN